Flugsalbe


Wenn man von Hexensalben spricht, dann meint man meistens die klassische "Flugsalbe", mit der sich Hexen früher in einen Zustand versetzt haben, um geistig zum Blocksberg zu fliegen.


Giftige Salben zur Wirkstoffaufnahme über die Haut

Es handelt sich um berauschende Zubereitungen, deren Hauptbestandteile meistens Nachtschattenpflanzen, Schierling und andere Giftpflanzen waren.

Die Salben wurden auf empfindliche Hautbereiche aufgetragen, beispielsweise Innenflächen der Oberschenkel, Handflächen, Pulsstellen, Stirn usw. damit die enthaltenen Giftstoffe durch die Haut aufgenommen werden konnten.


Flug im Schlaf

Laut Berichten kommt es nach dem Auftragen von Flugsalben häufig zu einem prickelnden Gefühl auf der Haut. Manche berichteten, dass es sich anfühlt, als würden einem Federn wachsen.

Oder es fühlt sich an wie der Fahrtwind beim Fliegen.

Die berauschte Hexe bekommt zuerst Sehstörungen und Herzrasen. Das geht in Halluzinationen über und häufig sexuelle Phantasien.

Wenn die Wirkung der Salbe auf dem Höhepunkt ist, fällt das Opfer in Schlaf und erlebt im Traum wilde Flüge und sieht sich häufig in wildem Treiben von merkwürdigen Gestalten.

Diese Träume führten zu der Vorstellung auf einem Besenstiel zum Blocksberg zu fliegen und dort mit anderen hexen zu feiern und dem Gehörnten, einem Naturgott, zu begegnen und mit ihm wilde sexuelle Spiele zu treiben.

Eines frage ich mich jedoch immer wieder, wenn es um die Berichte über Flugsalben geht: Wenn die Hexen zu den Hexenfeiertagen alle durch Salbe betäubt in ihren Kammern lagen und von den Festen nur geträumt haben, wer hat dann die echten Feuer angezündet und um sie herumgetanzt, was ja zweifellos eine beliebte Tradition war und ist? Auch dass viele der Feiernden im Mai zu Beltane paarweise in den Büschen verschwunden sind, um es ganz handfest und körperlich wild zu treiben, halte ich für realistischer, als dass alle nur davon geträumt haben.

Welche echte Rolle haben Flugsalben also tatsächlich gespielt?

Dienten sie zu anderen Zeiten dazu, um Astralreisen anzutreten? Dienten sie als Initiation für Hexen?


Alte Rezepte

Die meisten überlieferten Rezepte für Flugsalben sind teilweise unverständlich, weil die Pflanzennamen oft verfremdet sind. Auch die Mengenangaben sind oft unklar. Daher lassen sich die alten Flugsalben nicht mehr genau nachvollziehen.

Ausser den Nachtschattenpflanzen, Schierling, Eisenhut und Mohngewächsen stehen auch oft Pflanzen in den Rezepten, bei denen man sich den Grund für ihre Auflistung nicht erklären kann.

Könnte es sein, dass solche Pflanzen, wie beispielsweise das Gänsefingerkraut, Wirkstoffe enthalten, die die Wirkung der anderen Pflanzen steuern oder abpuffern, um ihnen die Gefährlichkeit zu nehmen oder die Aufnahme zu fördern? Denkbar ist das, denn auch normale Rezepturen arbeiten manchmal mit solchen Komponenten.

Oder sind solche ungefährlichen Pflanzen in den Rezepten enthalten, weil die Hexen an deren vermeintliche Wirksamkeit aufgrund von Signaturen glaubten?

Oder sind sie nur eine Tarnung, um den unbedarften Leser eines solchen Rezeptes zu verwirren?

All das kann man sich trotz intensiver Forschung bis heute nicht erklären.

Und aufgrund der Gefährlichkeit ist es auch nicht ratsam, alte Flugsalbenrezepte auszuprobieren.


Tödliche Gefahr

Mehrere Forscher haben es dennoch versucht und sind teilweise an ihren Versuchen gestorben, beispielsweise der Forscher J.K. Kiesewetter.

Obwohl sich Kiesewetter durch vorangegangene Forschungen und Experimente schon sehr gut mit der Materie auskannte, hat er seinen letzten Versuch nicht überlebt.

Das liegt daran, dass die Wirkstoffdosen, die für einen "Flug" notwendig sind, sehr dicht an einer tödlichen Dosis liegen.

Der Wirkstoffgehalt der verwendeten Pflanzen ist auch sehr unterschiedlich hoch, je nach Standort, Witterung, Jahreszeit, Mondphase und Tageszeit. Die Menge der Wirkstoffe kann um das Zehnfache und mehr schwanken.

Daher kann es passieren, dass man mit dem gleichen Rezept bei einem Versuch gar nichts spüren würde und bei einem späteren Versuch so stark vergiftet wird, dass man daran stirbt.

Von Eigenexperimenten mit Flugsalben sollte man also unbedingt die Finger lassen!


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